CHRISTUS - DAMALS UND HEUTE
DARSTELLUNGEN AUS FÜNF JAHRHUNDERTEN

31. August bis 19. November 2017

 

Den Abschluss der Ausstellungsserie zum Reformationsjahr im Grafischen Kabinett bildete die Zusammenschau von Christusdarstellungen aus fünf Jahrhunderten. Keine biblische Gestalt hat die Künstler durch alle Jahrhunderte hindurch mehr inspiriert als Christus. Dabei fanden die Künstler nicht nur einen ihrem Stil entsprechenden Ausdruck für diese zentrale Figur der Bibel, sondern nutzen sie als Folie für ihre ganz persönlichen Empfindungen. Die Besucher begaben sich auf eine Bilderreise vom 16. bis 20. Jahrhundert und begegneten beispielsweise den Werken von Rembrandt, Ensor, Denis und Slevogt bis hin zu Gerresheim.


 

Fritz Schaefler, Seht den Menschen!, 1918, Aquarell und Tusche auf Papier

GELATO!
Italienische Eismacher am Niederrhein

25. Juni bis 17. September 2017

 

Ende des 19. Jahrhunderts kamen die ersten italienischen Eismacher in die Städte zwischen Köln und Kleve. In den 1920er Jahren eröffneten sie dann die ersten Eisdielen, die schließlich in den 1950er Jahren überall zu einem festen Bestandteil des Stadtbildes wurden. Heute gibt es etwa 4.000 Eiscafés in Deutschland, die meisten davon werden von italienischen Eismachern betrieben – und diese wiederum stammen zu drei Viertel aus zwei Tälern in den Dolomiten: dem Val di Zoldo und dem Val di Cadore. Die venezianischen Dolomiten gehörten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den ärmsten Regionen Europas. Nur wenige Familien konnten sich durch die Landwirtschaft ernähren. Häufig waren die Männer gezwungen, den Sommer über als Wanderarbeiter in die Fremde zu gehen. Im Val di Zoldo und dem Val di Cadore fanden die Menschen eine ungewöhnliche Strategie zur Sicherung des Lebensunterhalts: Sie wurden Eismacher!
Die Herstellung von Eis war vor Erfindung der Kühlmaschinen ein aufwändiges Verfahren. Wer gutes Eis machen konnte, besaß ein Wissen, das ihn von anderen unterschied. Und so fanden die italienischen Eismacher zunächst in Österreich und dann in Deutschland reichlich Abnehmer für ihre eiskalten Köstlichkeiten. Für die Männer aus den Dolomiten blieb die Migration weiterhin auf den Sommer beschränkt. Sie arbeiteten zumeist nur von März bis September in Deutschland, um den Rest des Jahres bei ihrer Familie in der Heimat verbringen zu können. Einer von ihnen war Ernesto Zampolli aus Pralongo, der einer Familie von Kleinbauern und Handwerkern entstammte und im Jahr 1936 in Neuss ein Eiscafé gründete. In der Ausstellung ging es auch um ihn und seine Geschichte.

Gefördert von:
Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW / Landschaftsverband Rheinland / Museum Netzwerk Niederrhein

 
 

Blick in die Ausstellung mit Rekonstruktion eines Eiscafés der 1950er Jahre

DÜRER & Co.
RELIGIÖSE DARSTELLUNGEN ZUR ZEIT MARTIN LUTHERS

18. Mai bis 2o. August

 

Anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums zeigte das Clemens Sels Museum Neuss 2017 Ausstellungen im Grafischen Kabinett, die sich mit religiösen Themen rund um Luther und die Reformation beschäftigen. Die Grafiken, die zu Lebzeiten Luthers entstanden, zeigen eindrücklich, welche religiösen Vorstellungen zu der damaligen Zeit vorherrschten. Denn gerade weil die Bevölkerung nur zu einem ganz geringen Teil alphabetisiert war, waren es die Bilder, die Glaubensinhalte vermittelten. Daher verwundert es nicht, dass überwiegend Szene aus dem Leben Christi und Darstellungen von Heiligen im Fokus der Künstler lagen. Gezeigt wurden u.a. Grafiken von Albrecht Dürer, Albrecht Altdorfer, Lucas Cranach d. Ä. sowie Georg Pencz.

 

Albrecht Dürer, Die Auferstehung Christi - Blatt 30 aus "Die kleine Holzschnitt-Passion", 1509-1511, Erworben 2001

hundkatzemaus
Tierdarstellungen aus aller Welt
auf Populärer Druckgrafik

 
13.11.2016 – 2.7.2017
im Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgrafik

Tiermotive erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit. Die Öffentlichkeit klickt grimmig schauende Katzen zu viralen Internetstars, Videos von entzückenden Jungtieren werden millionenfach abgerufen und auch die Werbebranche macht sich die verkaufsfördernden Vierbeiner zu Nutze. Dass sich Tierdarstellungen in der Zeit industriell gefertigten Wandschmucks bereits massenhaft verbreiteten, zeigte die Ausstellung im Museum für Populäre Druckgrafik.
Die Vielfalt der dargestellten Kreaturen, aber auch der Einsatz der Motive variiert. Bilder von Hunden mit Kindern sind feste Darstellungstypen:
Die Verbindung des Schützenden mit dem Zarten. Geschichten, in denen das ertrinkende Kind vom Hund gerettet wird, bezeugen das unerschütterliche Verantwortungsbewusstsein der Vierbeiner. Auch Bilder von verspielten Katzen erfreuten sich schon im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit. Pferde wurden in verschiedenen Zusammenhängen gezeigt: beim Einsatz im Krieg, als Reittier auf der Jagd und gleich gruppenweise vor eine Kutsche gespannt. Auch auf Darstellungen von Bauernhöfen sind alle genannten Tiere, erweitert um Kühe, Schafe, Hühner und Schweine, wiederzufinden. Idyllische Landschaften zeigen ziehende Herden vor weitem Horizont.
Gesondert dargestellt wurden die Tiere des Waldes. In diese Gruppe ist auch der bekannte Röhrende Hirsch zu verorten. Exotische Tiere hingegen finden sich vorwiegend auf den belehrenden Bilderbogen der Zeit oder auch in präziser Ausführung in den aufkommenden populären Enzyklopädien. Didaktische Absichten sind oft auf Bildern, die Tiere gemeinsam mit Kindern zeigen, erkennbar. Im religiösen Kontext finden sich Tiere als Attribute von Heiligen wieder. So lässt sich der Evangelist Markus an dem ihm zugehörigen Löwen erkennen.
Tiere tauchen freilich auch in unterhaltsamen, lustigen Episoden auf. In Bildergeschichten und Fabeln werden den Tieren menschliche Züge verliehen.
Der Betrachter erkennt sich selbst in der Kreatur.

 

Storch (Ausschnitt), um 1850, kolorierte Lithografie, Bilderbogen des Verlags Jos. Scholz, Mainz, Sammlung Feldhaus


Selbst ist der Mann!
Erich Bödeker und Josef Wittlich

 
19. März bis 28. Mai 2017

 

Gleich zwei künstlerische Positionen wurden in der Frühjahrsausstellung vorgestellt: Das malerische Werk von Josef Wittlich (1903–1982) und die Skulpturen des Bildhauers Erich Bödeker (1904–1971). Beiden Kunstschaffenden ist gemein, dass sie als sogenannte „naive“ Künstler gelten. Sie besuchten keine Kunstschulen oder Akademien. Als Autodidakten eigneten sie sich ihre Fähigkeiten selbst an und schufen ihre Werke frei vom Zwang inhaltlicher Vorgaben. Beide Männer verrichteten zum Broterwerb schwere körperliche Arbeit. Bödeker war Bergmann, musste diesen Beruf jedoch Ende der 1950er Jahre wegen Erkrankung an Silikose (Staublunge) aufgeben. Nahezu übergangslos widmete er sich der Bildhauerei. Schnell wurde man auf sein Werk aufmerksam. Josef Wittlich begann bereits in einer frühen Phase seines Lebens mit der Malerei. Bekanntheit erlangte er aber erst nach seiner zufälligen Entdeckung im Jahr 1967.
Nicht nur biographisch, sondern auch im Werk der beiden Künstler gibt es Parallelen. Sie reagieren mit ihrem Schaffen auf eine vielfältige Bilderwelt. Fotos prominenter Personen waren auf Illustrierten zu finden und dienten den Künstlern als Vorlage. So auch Bilder der englischen Königsfamilie. Wittlich zeigt die Figuren in grotesker Verzerrung. Bödeker formt gleich sechs Mitglieder der royalen Familie in Zement. Gezeigt wurden auch etliche Arbeiten, die sich thematisch nur einem der beiden Künstler zuordnen lassen. Zum Werk des Bildhauers gehören etwa Tierskulpturen, die ursprünglich im heimischen Garten Bödekers präsentiert wurden. Zum OEuvre Wittlichs zählen unzählige Schlachtendarstellungen, die nach Vorlagen aus Geschichtsbüchern entstanden sind. So reagieren beide Künstler auf ihre individuellen Bildwelten und ihre Umgebung.
In der Ausstellung wurde der freie und experimentelle Umgang der Künstler sowohl bei der Wahl ihrer Themen als auch bei der Verwendung und Verarbeitung der gewählten Werkstoffe sichtbar. Die unkonventionellen Arbeitsmethoden brechen mit bestehenden Normen und führen zu einer neuen, eigenen künstlerischen Ausdrucksweise.
Zahlreiche Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen ergänzten den hauseigenen Bestand an Werken der beiden Künstler.

 
gefördert duch die Innogy SE, einer Tochtergesellschaft des deutschen Energieversorgers RWE

 

 

Josef Wittlich, Burg Stolzenfels am Rhein, 1968/69, Deckfarbe, Plakafarbe, Gouache, Tempera auf Papier; Erich Bödeker, Dompteuse mit Tanzbär, um 1970, Beton und andere Teile, bemalt; Clemens Sels Museum Neuss

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte
Die Bibel von Chagall bis Crane

26. Januar bis 26. März 2017

 

Anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums zeigt das Clemens Sels Museum Neuss 2017 drei Ausstellungen im Grafischen Kabinett, die sich mit religiösen Themen rund um Luther und die Reformation beschäftigen. Den Auftakt bildete eine Ausstellung zu berühmten Bibelillustrationen. Luther, der für seine kritische Haltung gegenüber Bildern bis heute bekannt ist, billigte ausdrücklich die Bibelillustration. Denn sie ist nicht als „Götzendienst“ einzustufen, sondern trägt zum „Gedächtnis und besseren Verständnis“ bei. Ihm war bewusst, dass die bildende Kunst ein wirksames Mittel sein konnte, um den Menschen seiner Zeit, die noch überwiegend Analphabeten waren, den christlichen Glauben zu vermitteln und zu erklären. Wie wichtig ihm die bildliche Darstellung biblischer Geschichten war, belegt die Tatsache, dass er seine 1522 erschienene Erstausgabe des Neuen Testamentes mit Illustrationen von Lukas Cranach versehen ließ. Da das Alte Testament aber nicht nur für das Christentum, sondern auch für das Judentum hohe Bedeutung hat, vereint die Ausstellung visuelle Vorstellungen beider Religionen.
In der Ausstellung waren Werke von Marc Chagall, Walter Crane, Gustave Doré und Julius Schnorr von Carolsfeld zu sehen.

Marc Chagall gehört zu den großen künstlerischen Ausnahmetalenten des 20. Jahrhunderts. 1930 beauftragte der Pariser Kunsthändler und Verleger Ambroise Vollard Chagall, Radierungen als Bibelillustration zu schaffen. Durch den plötzlichen Tod von Vollard 1939 und den Zweiten Weltkrieg wurde das Projekt unterbrochen. Doch Chagalls anhaltendem Interesse an der Illustration der Bibel und dem Verleger Tériade ist es zu verdanken, dass 1956 die mit 105 Radierungen von Chagall versehene Bibel in zwei Bänden veröffentlicht werden konnte. In seinen Radierungen schildert er auf sehr persönliche Weise Szenen und Persönlichkeiten aus dem Alten Testament, die durch ihre lebendige Unmittelbarkeit berühren.
1960 publizierte Tériade in seiner Zeitschrift „Verve“ unter dem Titel „Dessins pour la Bibel“ erneut Arbeiten von Chagall.
Diese Farblithografien belegen Chagalls besondere Fähigkeit zur Verinnerlichung der Inhalte, die sich anhand seines Ausspruchs: „Ich las die Bibel nicht, ich träumte sie“, noch einmal sehr gut belegen lässt.

 

 

Walter Crane, Die Schlange verführt, 1901, Lichtdruck (Albertotypie) nach Zeichnung